Rettungsübung Nuttlar 18.09.2015

Wie schon in den vergangen zwei Jahren sollte auch dieses Jahr wieder die Herbstübung der Bergwacht Harz Untertagerettung im Hochsauerland, genauer in der Schiefergrube Nuttlar, stattfinden.

So reisten wir am Samstag, den 18.09.2015, nach Nuttlar und machten Quartier. Besonders freut uns, dass wie bereits in den letzten Jahren wieder viele Kameraden aus anderen Organisationen an der Übung teilnahmen: So waren dieses Jahr, nun ja schon Stammgäste, die Höhenrettung Oberberg (Einsatzeinheit "Bergwacht" des DRK KV Oberberg) wieder mit vier Kameraden dabei, zwei Kameraden + einem Nachwuchsretter der Höhlenrettung Sachsen (HRX), ein Kamerad der Malteser Unfallhilfe sowie unsere eigenen Kräfte mit dabei. In Summa standen 16 Kräfte für die Übung zur Verfügung.

Das Szenario wurde vom Betreiber der Grube erstellt und beschrieben:
(Quelle: http://www.schieferbau-nuttlar.de/galerie/)

In der Nacht vom 18. auf den 19.09.2015 brechen zwei Urban Explorer die Tür des Containers vor dem Mundloch Katze/Ostwig 3 auf. Sie haben nur minimale Ausrüstung für eine Befahrung. Dennoch beginnen Sie, vom Mundloch aus das Bergwerk zu erkunden und bewegen sich über Ostwig 1, 2 und 3 Richtung Kaiser-Wilhelm-Stollen. Sie verlieren bereits zu diesem Zeitpunkt teilweise die Orientierung. Sie erreichen den Großen Bremsberg über die Treppe. Von dort geht es weiter den Bremsberg runter und dann in Richtung Oberes Lager. Das Loch Richtung Schnapsloch/Perfekte Mauer verpassen die beiden und steigen stattdessen durch den Durchschlag im Südwesten des Abbaus. Von dort geht es den Schuttkegel hinunter und sie erreichen den Abzweig nach Südwesten. Nach einigen Metern beratschlagen sie die weitere Befahrung, da sie inzwischen befürchten, daß ihre Taschenlampen nur noch 2 – 3 h halten werden. Während der Beratung kommt es zu einem Firstfall. Der Löser trifft einen der Befahrer. Er fällt zur Seite, aber seine Beine werden einklemmt und es kommt zu mehreren Frakturen. Der zweite Befahrer erleidet einen Schock und macht sich auf den Rückweg zur Katze. Durch mangelnde Ortskenntnisse benötigt er mehrere Stunden. Er verliert seine Taschen am Fuß der Wendeltreppe zwischen Ostwig 1 und 2. Da er die trockene Verbindung nach Ostwig 3 nicht kennt, watet er durchs Wasser Richtung Container. Dort setzt er den Notruf ab. Die Alarmierung der Bergwacht erfolgt um 09:40 Uhr.

Wie das so ist bei Übungen, war die Bergwacht „zufällig" ganz in der Nähe. Nach dem die ersten Kräfte vor Ort waren und sich ein Bild von der Lage verschafften, wurde die Einsatzleitstelle auf dem Platz vor dem Kaiser-Wilhelm-Stollen eingerichtet und ein Suchtrupp über das Mundloch Container (Ostwig 3/Katze) losgeschickt. Dem vier Mann starken Suchtrupp wurden neben den Truppführer medizinisch versierte Kameraden sowie ein Ortskundiger aus der Bergwacht zugeordnet. Ebenso wurden dem Trupp ein Vertreter des Bergwerks und der alarmierende Befahrer beigestellt. Letzterer sollte bei der gezielten Suche helfen, da wir die Hoffnung hatten, er würde sich in der Grube eventuell an Schlüsselstellen erinnern. Diese Hoffnung wurde dann auch an verschiedenen Stellen bestätigt. Jedoch waren die Aussagen vage, konnten aber für die erste Suche als Indiz genutzt werden. Die Suchstrategie wurde nicht systematisch, sondern logisch ausgerichtet. Das bedeutet, dass zunächst die Stellen in der Grube angefahren wurden, welche für ältere Brüche bekannt sind. Nach ca. 45 Minuten Suche wurde der Trupp dann auch an der letzten Bruchstelle fündig.

Die verunglückte Person war ansprechbar, aber unter einem großen Löser (einer großen Felsplatte, die von der Firste gestürzt war) eingeklemmt. Sie hatte massive Frakturen an den unteren Extremitäten und kein Gefühl in den Beinen. Damit musste von einer Verletzung im Bereich der Wirbelsäule ausgegangen werden. Dass der Patient ansprechbar war kann man als Wunder bezeichnen, da bei den starken Frakturen, der vergangen Zeit seit dem Unglück und dem anzunehmenden Blutverlust aus der Einschätzung der Sanitäter wohl eher mit einer Bergung als einer Rettung zu rechnen gewesen wäre.

Der Patient wurde erstversorgt, Wärme zugeführt und durch die ärztlich angeordnete Gabe von Propofol sediert.
Umgehend wurde die Abschnittsleitung Untertage ins Bild gesetzt und Hebezeug für das Anheben der Steinplatte angefordert. Parallel war bereits der Kommunikationstrupp dabei, eine kabelgebundene Kommunikation bis zum Patienten vorzuziehen und Sprechstellen auf dem Weg dorthin einzurichten.
Ebenso wurde der Truppführer Seiltechnik/Rettung von Übertage in die Grube geordert, um eventuelle Ausbaustellen zu begutachten und zu planen.
Der Weg nach Übertage war mehrheitlich durch normalen söhligen Tragetransport zu gewährleisten, an zwei Stellen, an denen jedoch Abrutschgefahr der Tragemannschaft bestand, wurden Sicherungsstellen geplant und vorbereitet. Ein Schuttberg, den die Trage hinauf musste, sowie die gesamte Tragestrecke, wurden von größeren Steinen beräumt, um der Tragemannschaft einen sicheren Tritt zu gewährleisten. Nachdem der Patient durch den Einsatz von Hubzylindern befreit und auf ein Spineboard umgelagert war, wurde dieses auf einen klassischen Schleifkorb aus Metall montiert. Dies stellte sich dann am Schuttberg sofort als sehr hilfreich heraus, da die Tragemannschaft auf diesem keinen festen Tritt bekommen konnte und der Korb samt Tragebegleiter somit den Schuttberg mittels Seiltechnik (Umlenkung mit Rücklaufsperre und Mannschaftszug) hinaufgezogen werden musste. An weiteren unwegsameren Stellen wurde der Korb mehrfach im Raupenprinzip übergeben. Hier zeigte sich wieder einmal, dass eine klare Kommunikation und Koordination den Erfolg einer Rettung begründet.

Nachdem die zweite rutschige Stelle mit Seilsicherung überwunden war, konnte der Korb wenig später auf dem schienengebunden Transportwagen abgelegt und langsam und erschütterungsarm nach Übertage gefahren werden. Dort wurde der Patient dem wartenden Notarzt übergeben. Die gesamte Rettung hat von der Ankunft bis zur Übergabe weniger als 3 Stunden gedauert.

Vielen Dank an alle Helfer und Organisatoren!

Märzausbildung 2015 - Suchen und Finden + Tragetransport in engen Grubenbauen

Vom 22. - 24.03.2015 fand die Märzausbildung im Harz statt. Diesmal waren die Themen Suchen und Finden in unübersichtlichen Gruben und Tragetransport in engen Grubenbauen. In der Theorie wurde der Umgang mit der Presse besprochen.

Die anwesenden 17 Teilnehmer hatten viel Spaß! Danke an alle für die klasse Aktion.

Wir freuen uns auch wieder zwei neue Mitglieder in der Bergwacht zu begrüßen!

Fotos gibt es hier: http://untertagerettung.de/bilder/category/34-maerzausbildung-suchen-und-finden-tragetransport-in-engen-grubenbauen.html

Spenden sind gerne gesehen!

Wir sind dringend auf die Hilfe von Spendern und Sponsoren angewiesen, da unsere Gruppe keinerlei öffentliche Zuwendung erhält. Alles was wir derzeit an Geld einnehmen bringen die Retter selber mit.

Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Sachsen Anhalt

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